Mit grossen Schritten

Wir haben Mitte Mai. Das Wetter ist mies und wenn ich daran denke, bald loszulaufen fröstelt es mich. Sowieso realisiere ich immer mehr, auf was ich mich da überhaupt eingelassen habe.

Seit zwölf Jahren lebe ich Friese nun in der Schweiz. Im Kanton Zürich sind die Berge nicht so hoch, zumindest aus Schweizer Sicht. Für `nen Friesen ist das hier alles höher als in der alten Heimat. Da war die Müllkippe die höchste Erhebung. Ich hab mich trotzdem ganz gut eingelebt hier, eigentlich sollte es ja nur für ein Jahr sein, nun sind es zwölf.

In den ganzen Jahren habe ich dann doch einige Male die weite Strecke an die Nordsee zurückgelegt. Ob nun mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug, mal hat es drei Stunden gedauert und auch mal 15. Auf einer dieser Fahrten mit der Bahn, Blick aus dem Fenster, die Landschaft fliegt vorbei, kam mir der Gedanke, dass ich Deutschland eigentlich gar nicht kenne. In der Schweiz hatte ich jeden Kanton besucht, war auf vielen Bergen und hatte mich für die vielen regionalen Besonderheiten interessiert. Deutschland dagegen ist für mich südlich von Oldenburg nahezu unbekannt. Und nun durchquere ich regelmässig ganz Deutschland von Süd nach Nord und umgekehrt und man sieht trotzdem nix. „Das will ich irgendwann mal zu Fuss gehen und mir alles ansehen“ sagte ich unbekümmert.

Nun ist es soweit. Meine Arbeit habe ich gekündigt und nun spricht nichts mehr gegen diese Wanderung. Ich habe inzwischen erfahren, dass es Fernwanderwege gibt und einer davon, der E1, vom Bodensee bis nach Schleswig Holstein durch Deutschland führt. Sollte ja zu machen sein. Habe etwas Erfahrung durchs Wandern in den Bergen und es gab auch schon mehrtägige Hüttentouren. Bei der Planung in den letzten Wochen wurde mir dann aber immer mehr klar, dass das alles nicht so ganz ohne ist. Allein die Reaktionen meiner Mitmenschen auf dieses Vorhaben liessen alle Alarmglocken klingeln. Etwa 1800km, diverse Höhenmeter, kein festes Bett, Tütenfutter, schlechtes Wetter und was weiss ich nicht alles.

Klappt schon. In den nächsten Wochen werde ich hier darüber berichten.

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